Forschungszentrum für Bürgerschaftliches Engagement BBE
 
Kongress für Gesellschaftliches Engagement von Unternehmen

Kongress

Ziele

 

Hintergrund

Für die Gesellschaft der Bundesrepublik Deutschland und ihren wirtschaftlichen Erfolg war die funktionale Differenzierung von Staat und Wirtschaft geradezu konstitutiv. Während der Staat als Gewährleistungsträger für Recht, Ordnung und soziale Absicherung zuständig war, leisteten Unternehmen ihren „gesellschaftlichen“ Beitrag in Form von Steuern, Beiträgen und Abgaben. Darüber hinaus wirkten sie mittels eigener Unternehmensverbände – teilweise in stark ritualisierter Form – im Gesetzgebungsprozess und in Selbstverwaltungsgremien mit. Derart von gesellschaftlichen Anforderungen entlastet, konnten sich Unternehmen auf ihr wirtschaftliches Kerngeschäft konzentrieren. Zugleich hatte diese funktionale Spezialisierung in Deutschland aber auch zur Folge, dass Unternehmen in der Gesellschaft bisweilen wie ein Fremdkörper wirkten.
Die in Deutschland eingespielte Arbeitsteilung zwischen Bund, Ländern und Kommunen auf der einen und privatgewerblichen Unternehmen auf der anderen Seite gerät aber durch mindestens zwei gegenläufige Entwicklungen unter erheblichen Druck:

Auf der einen Seite neigt sich die Ära expandierender nationaler Sozialstaaten auf der Grundlage stetiger Einnahmezuwächse dem Ende zu. So ist  die aktuelle Sozialpolitik von Diskussionen über ihre Selbstbegrenzung auf die originären Kernaufgaben des Sozialstaates geprägt. Gleichzeitig begeben sich Bund, Länder und Kommunen auf die Suche nach Ausfallbürgen für Aufgabengebiete, aus denen sie sich zurückziehen. Die steigenden staatlichen Erwartungen richten sich dabei – neben den Bürgerinnen und Bürgern – vor allem an Unternehmen. Vor diesem Hintergrund verändert sich in Deutschland wie auch in anderen wirtschaftlich führenden Nationen die etablierte Aufgabenverteilung zwischen Staat, Wirtschaft, Privathaushalten und Nonprofit-Sektor mit einer erheblichen gesellschaftspolitischen Bedeutungszunahme von Unternehmen.

Auf der anderen Seite sind nicht nur große, sondern auch mittlere und kleine Unternehmen seit Jahren einem globalem wirtschaftlichen Wettbewerbsdruck ausgesetzt, der sich in Deutschland z.B. in relativ hohen Produktionskosten oder kostenträchtigen Sozial- und Umweltstandards manifestiert. Dieser globale Wettbewerbsdruck beeinflusst die Dispositionsspielräume deutscher Wirtschaftsunternehmen nachhaltig.

Während also der sich „verschlankende“ deutsche Sozialstaat von Unternehmen mehr gesellschaftliches Engagement fordert, erleben viele Unternehmen die Globalisierung des Wirtschaftens als Einschränkung ihrer unternehmerischen Handlungsspielräume. Beide Entwicklungen wirken als zentrifugale Kräfte auf die in Deutschland etablierte Aufgabenteilung bzw. den „Wohlfahrftsmix“ zwischen Staat, Wirtschaft, Nonprofit-Sektor und Privathaushalten.
Und Unternehmen – wie deuten und gestalten sie ihre sich verändernde Rolle in der Gesellschaft?

Geradezu typisch für die skizzierten gesellschaftlichen Veränderungen und Umbruchsituationen sind die ausgesprochen unterschiedlichen gesellschaftlichen Suchbewegungen deutscher Unternehmen. Sie wirken bisweilen experimentell und riskant oder auch eher konventionell und traditionsorientiert. Die Vielfalt des gesellschaftlichen Engagements von Unternehmen reicht von Sach- und Geldspenden und Sponsoring über die Gründung und Profilierung von Unternehmensstiftungen bis hin zur Förderung des bürgerschaftlichen, ehrenamtlichen Engagements der Beschäftigten im gesellschaftlichen Umfeld. Darüber hinaus wirken sich der angesprochene gesellschaftliche Wandel und die Suche nach einem neuen gesellschaftlichen Selbstverständnis von Unternehmen bis in die wirtschaftlichen Produktions- und Distributionsprozesse aus. Exemplarisch dafür stehen Maßnahmen, bei denen in Unternehmen – über gesetzliche Verpflichtungen hinaus – freiwillig weitergehende Sozial- und Umweltstandards entwickelt oder Stakeholderdialoge – etwa mit Konsumenten, Bürgern und Nonprofit-Organisationen – gepflegt werden.

Die Vielfalt und Vielzahl von Vorstellungen und Varianten des gesellschaftlichen Engagements von Unternehmen finden ihren Niederschlag in einer Fülle von Diskussionen und Publikationen unterschiedlicher Güte und Qualität. Sie lassen das gesellschaftliche Engagement als einen wichtigen Trend, zugleich aber auch als eine unübersichtliche Gemengelage erscheinen. Die zunächst einmal positiv zu bewertende Vielfalt und Vielzahl von thematischen und inhaltlichen Zugängen zum gesellschaftlichen Engagement von Unternehmen kann ihr Potenzial allerdings nicht ausschöpfen, da die laufenden Diskussionen und vorliegenden Arbeiten in der Regel die spezifisch deutschen Traditionen und Pfade des gesellschaftlichen Engagements der deutschen Wirtschaft vernachlässigen; stattdessen beziehen sie sich überwiegend auf die angloamerikanischen Debatten und Erkenntnisse über „Corporate Social Responsibility“, „Corporate Responsibility“ oder „Corporate Citizenship“. Diese Debatten und Erkenntnisse lassen sich allerdings nur sehr bedingt auf den Kontext der Bundesrepublik Deutschland übertragen, da sie vor dem soziokulturellen und gesellschaftspolitischen Hintergrund anderer Gesellschaften entwickelt und dort umgesetzt wurden.

Die mittlerweile sehr breite und zunächst unübersichtliche Diskussion über das gesellschaftliche Engagement von Unternehmen in Deutschland bietet die Grundlage, um die Konturen eines sich dynamisch entwickelnden neuen gesellschaftspolitischen Selbstverständnisses deutscher Unternehmen im Rahmen des Kongresses „Gesellschaftliches Engagement von Unternehmen –
der deutsche Weg im internationalen Kontext“ herauszuarbeiten.

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Zielstellungen

Das Ziel des Kongresses besteht darin, die besonderen deutschen Traditionslinien und die aktuellen Innovationen im gesellschaftlichen Engagement von Unternehmen in Deutschland öffentlichkeitswirksam zu präsentieren, zu diskutieren und zu dokumentieren. Bezugspunkte bilden dabei einerseits der sich verschlankende Sozialstaat und der sich neu herauskristallisierende Wohlfahrftsmix zwischen Staat, Wirtschaft, Nonprofit-Sektor und Privathaushalten. Andererseits wird auf die breiten internationalen Debatten zur Thematik Bezug genommen, die unter Begriffen wie „Corporate Social Responsibility“, „Corporate Responsibility“ oder „Corporate Citizenship” geführt werden. Auf diese Weise wird ein substanzieller Beitrag zu einer fundierten Aufarbeitung der in Deutschland geführten wissenschaftlichen, unternehmerischen und gesellschaftspolitischen Diskussion im Kontext der internationalen Diskussionen geleistet. Zugleich können die Besonderheiten und Potenziale des gesellschaftlichen Engagements von Unternehmen im soziokulturellen Kontext der Bundesrepublik Deutschland systematisch beschrieben und grundlegende Wirkungszusammenhänge erklärt werden.

Diese wissenschaftlich fundierte Analyse bildet die Grundlage, um Diskussions-, Handlungs- und Förderbedarfe im Hinblick auf das gesellschaftliche Engagement von Unternehmen in Deutschland herauszuarbeiten. Auf diese Weise soll den wirtschaftlichen, zivilgesellschaftlichen und staatlichen Akteuren Orientierungs- und Handlungswissen bereitstellt werden, um die Potenziale des gesellschaftlichen Engagements von Unternehmen in Deutschland sachlich fundiert erschließen und konstruktiv weiterentwickeln zu können. In diesem Sinne eröffnet der Kongress zugleich die Möglichkeit für einen intensiveren Dialog zwischen den Akteuren aus den Sektoren Markt, Staat, Nonprofit-Sektor und Wissenschaft.

Um dieses Ziel im Rahmen des Kongresses zu verfolgen, werden im Rahmen von Plenarvorträgen und Foren vier zentrale Zugangsweisen zur Thematik gewählt:

(1) Rekonstruktionen der Entwicklungspfade des gesellschaftlichen Engagements von Unternehmen im sozialstaatlichen Arrangement der Bundesrepublik Deutschland;
(2) Bestandsaufnahmen der sozialwissenschaftlichen Analysen zum gesellschaftlichen Engagement von Unternehmen in Deutschland;
(3) Rekonstruktionen der gesellschaftspolitischen Debatten über das gesellschaftliche Engagement von Unternehmen in Deutschland;
(4) Analysen über die internationalen Bezüge zum gesellschaftlichen Engagement von Unternehmen in Deutschland.

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Alleinstellungsmerkmale

Der Kongress hat in mehrfacher Hinsicht ein Alleinstellungsmerkmal in Deutschland. Dazu zählen u.a. folgende Aspekte:

(1) Der Kongress baut auf Ergebnissen einer breiter angelegten Untersuchung über das „Gesellschaftliche Engagement von Unternehmen in Deutschland. Eine sozialwissenschaftliche Bestandsaufnahme der Potenziale unternehmerischen bürgerschaftlichen Engagements“ auf. Die Untersuchung zielt darauf ab, den Forschungsstand und die öffentliche Diskussion über das gesellschaftliche Engagement von Unternehmen in Deutschland in ihren internationalen Bezügen zu rekonstruieren. Sie wird durchgeführt vom Forschungszentrum für Bürgerschaftliches Engagement an der Universität Paderborn in Kooperation mit der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg und dem Zentrum für zivilgesellschaftliche Entwicklung (zze) mit Mitteln des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ). Der Ergebnisbericht wird im Jahr 2009 veröffentlicht.

Weitere Informationen: www.forschungszentrum-be.uni-paderborn.de

(2) Mit dem Kongress werden – dem thematischen Gegenstand entsprechend – Zielgruppen aus unterschiedlichen gesellschaftlichen Bereichen angesprochen, die mit Fragen des gesellschaftlichen Engagements von Unternehmen immer intensiver befasst sind: Repräsentanten/innen aus Unternehmen, Wissenschaft, Politik, Verwaltung und Nonprofit-Sektor. Sie sollen in einen konstruktiven Dialog miteinander gebracht werden.

(3) Die internationale Diskussion dient dazu, aus anderen Gesellschaften zu lernen mit dem Ziel, Erfahrungen und Innovationen des gesellschaftlichen Engagements von Unternehmen aus anderen Ländern in die historisch gewachsene, traditionsreiche und vielfältige „Engagementkultur“ der deutschen Wirtschaft einzubinden. Im Kontrast zu der in Deutschland bislang geführten Diskussion wird die internationale und insbesondere US-amerikanische Diskussion zur Thematik nicht als universeller Orientierungsmaßstab betrachtet.

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